Don Giovanni

Wolfgang Amadeus Mozart

Sa 14.06.2014 / 17:00 Uhr / Premiere

Libretto Lorenzo da Ponte 

 

Programmheft


Zum Inhalt

Die Geschichte des Don Juan/Don Giovanni gehört, wie jene des Faust, Hamlet oder Ödipus, zum Grundbestand europäischer Kultur. Sie existiert in zahlreichen theatralischen Versionen, von Tirso de Molina, Molière, da Ponte/Mozart, Grabbe, Heine, Lenau, Shaw, Horvath, Frisch und anderen. Sie wurde verfilmt von Regisseuren wie Joseph Losey und Ingmar Bergmann. In Theater und Oper ist sie in unendlichen Varianten von  Inszenierungen fester Bestandteil der Theaterspielpläne.

Es geht um den Tod einer Vaterfigur und seine Folgen für eine Anzahl junger Menschen – eine Tragikomödie um den unaufhaltsamen Abstieg eines konsequent gewissenlosen, liebesbegabten jungen Verführers, die mit der Ermordung des Vaters einer jungen Frau aus der Nachbarschaft (nach einem gescheiterten Veführungsversuch) beginnt. Don Giovanni hat nach dieser Katastrophe im gesamten Stück keinen einzigen erotischen Erfolg mehr. Seinem Abstieg und Untergang begegnet er mit Stolz und hochfahrender Konsequenz.

Darum bringt man ihm, dem amoralischen, verdammungswürdigen Mann, trotz seiner Taten eine Art Unterstrom von Sympathie entgegen. Diese Sympathie beruht wohl auf der heimlichen Sehnsucht der moralisch „Gefestigten“ im Publikum nach Giovannis konsequent respektloser Skrupellosigkeit und Genussfähigkeit.

Don Giovannis Bemühungen um den gewohnten Erfolg bei einer Frau nach jeder Niederlage im Stück sind tapfer, auch komisch. Er ist schwer zu entmutigen. Sein Widerstand gegen die steinerne Moral, verkörpert durch den versteinerten Vater, beeindruckt. Seine vibrierende, durch keinerlei Moral getrübte Lebenswut und seine Lust am bebenden Fleisch seiner Opfer, seine Virtuosität des Betruges – auch die Intensität des Leidens seiner Opfer und die immer korrupte Überlebenskunst seines Dieners sowie die Arglosigkeit der Bauern – all das ist die lebendige, widerspruchsvolle, an Gefühlen reiche, brodelnde Gegenwelt zum toten Stein, zur rigiden Ordnungsethik, verkörpert durch den toten Vater Donna Annas, den Polizeichef von Sevilla. Die letzte Aufforderung zur Reue verweigert er, wie könnte es anders sein, mit großer Geste, jugendlichem Übermut und einer enormen Neugier auf das Irrationale, Unbegreifliche des wandelnden und sprechenden Steines. Seine Höllenfahrt tritt er erhobenen Hauptes an. Allen anderen wird er, einmal bestraft und vernichtet, fehlen.

Die Energie, die enorme, nie zu stillende Lust an der Welt, verkörpert durch jede Frau, ist ungetrübt durch moralische Bedenken, ethische Filter, ewige sittliche Gesetze. Diese Energie, deren Reste auch im best-„erzogenen“ Mann verborgen sind, ist unentbehrlich für die Welt… Jedoch: so wie es Leben ohne diesen Elan nicht geben kann, so kann es auch kein Leben geben ohne sittliche Gesetze. Der „reine“ Moralist ist nicht  zeugungsfähig. Der „reine“ Sexist ist unerträglich und muss zur Hölle gehen. Dieser Widerspruch ist unauflösbar.

Mit der Produktion von Mozarts „Don Giovanni“ wagt sich die Opernklasse an ein absolutes Meisterwerk. Regisseur Eike Gramss erklärt: „Das ist eine Anforderung an die Studierenden, die an die Grenzen des Leistbaren geht. In Zeiten, in denen der berufliche Existenzkampf immer härter bzw. die Arbeitsmöglichkeiten für junge Sänger immer begrenzter werden, ist es für die jungen Künstler immens wichtig, dass sie schon an der Universität mit Arbeitsanforderungen konfrontiert werden, wie sie im Berufsleben, sofern sie eine Chance bekommen, sofort anzutreffen sind. So wird der Schritt aus dem geschützten ,schulischen‘ Umfeld einer Ausbildungsstätte in die raue Welt des Theaters etwas erleichtert.“

Für Eike Gramss, der jüngst eine Rosenkavalier-Produktion mit Zubin Mehta in Florenz inszenierte, geht es nicht darum, der Unzahl von Interpretationen, auch  Manipulationen der Regisseure, eine weitere, noch nie dagewesene hinzuzufügen: „Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als den szenischen Extrakt der Oper plastisch, mutig, ohne additive Regiesachen herauszuarbeiten, um sich an dem Werk sängerisch, schauspielerisch und orchestral so gut wie möglich zu bewähren. Das Werk stellt eine steile Stufe dar, zugleich ist für die Mitwirkenden aber auch das große Privileg spürbar, sich mit diesem Meisterwerk überhaupt beschäftigen zu dürfen.“


Termine

So 14.06.2014 / 17:00 Uhr

Mo 16.06.2014 / 19:00 Uhr

Di 17.06.2014 / 19:00 Uhr

Do 19.06.2014 / 17:00 Uhr

Fr 20.06.2014 / 19:00 Uhr


Besetzung

Musikalische Leitung Gernot Sahler
Inszenierung Eike Gramss
Ausstattung Linda Hofmann / Mirjam Stängl
Sinfonieorchester der Universität Mozarteum
Chor Musicacosì
   
Don Giovanni Matthias Winckhler / Aron Cortes
Leporello Peter Kellner / Samo Lampichler
Donna Anna Athanasia Zöhrer / Alice Depret
Donna Elvira Katrin Bulke / Meredith Hoffmann-Thomson
Zerlina Marika Rainer / Anna Hempel
Don Ottavio Sungwon Park / Thomas Huber
Masetto Robert Davidson / Thomas Hansen
Commendatore Alessio Cacciamani / Ozan Saygi