The Rape of Lucretia

Benjamin Britten

Mi 27.01.2016 / 19:00 Uhr / Premiere

Oper in zwei Akten

Libretto: Ronald Duncan nach „Le Viol de Lucrèce“ von André Obey 

 

Mitveranstalter: Department für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film- und Ausstellungsarchitektur

 

Programmheft

 

ca. 1 Std. 45 min. / keine Pause


Zum Inhalt

Benjamin Brittens Werke während seiner langen Schaffensperiode als Opernkomponist stets um charakteristische Motive wie Nacht, Schlaf, geschändete Unschuld, Vergänglichkeit von Schönheit, die Analyse von Konflikten zwischen menschlicher Liebe und moralischer Pflicht sowie Zweideutigkeiten in der Darstellung von "gut" und "böse". All diese Themen vereint der seit der Renaissance in Europa weit verbreitete "Lucretia"-Stoff. Im Mittelpunkt steht die ehrbewusste Gattin des römischen Feldherrn Collatinus, die sich, nachdem sie von Prinz Tarquinius geschändet wurde, das Leben nimmt.

Neben die private, menschliche Dimension des Stoffs stellt Britten in gleicher Gewichtung die politische: Rom ist von den Etruskern unterworfen und in eine ebenso ausgebeutete wie sittenlose Lebensart gestürzt worden. Das zum Expansionskrieg gezwungene Volk der Römer beginnt gegen die etruskische Herrschaft aufzubegehren. Der gewaltsame Tod Lucretias wird zum Signal des Umsturzes. Wohl unter dem Eindruck des eben zu Ende gegangenen Zweiten Weltkriegs ergänzte Britten das Werk um eine - allerdings dramaturgisch mit der Handlung nur sehr lose verknüpfte - religiöse Dimension.

Obwohl es sich um ein frühes Werk handelt, um seine zweite von dreizehn vollständigen Opern, markiert "Lucretia" einen Wendepunkt in Brittens Karriere als Komponist. 1945 hatte ihm "Peter Grimes" auf einen Schlag internationale  Anerkennung verschafft. War das Publikum nun auf einen Nachfolger von "Peter
Grimes" gespannt, so sollte es mit "The Rape of Lucretia" eine Überraschung erleben. Gegenüber der großen Oper "Peter Grimes" sind die formalen Mittel äußerst reduziert (Solisten, Chor), die musikalische Basis bildet ein  Kammerorchester mit zwölf Instrumenten aus Holzbläsern, Klavier, Harfe, Schlagzeug und einem Solo-Streichquintett.

Dramaturgisch weist das Werk neben dramatischen Kernszenen starke epische Züge auf: durch die Einbeziehung einer Kommentarebene mit zwei außerhalb der Handlung stehenden Figuren ("Chorus"), die das Geschehen begleiten und stellenweise einzugreifen versuchen, sowie durch die symphonischen Zwischenspiele
("Interludes").

Benjamin Brittens offensichtlicher Wechsel des Kompositionsstils führte zur Bildung der "English Opera Group" bzw. mit der Premiere seiner zweiten Kammeroper "Albert Herring" als komischem Gegenstück zu "The Rape of Lucretia" zur Gründung des Aldeburgh Festivals, das zum Zentrum seiner weiteren Opernarbeit wurde.


Termine

Do 28.01.2016 / 19:00 Uhr

Fr 29.01.2016 / 19:00 Uhr

Sa 30.01.2016 / 17:00 Uhr


Besetzung

Musikalische Leitung Gernot Sahler
Szenische Leitung Hermann Keckeis
Raum Martin Hickmann
Video Martin Hickmann
Kostüme Eric Droin
Kammerorchester der Universität Mozarteum
   
Male Chorus Hany Abdelzaher / Shan Huang
Female Chorus Anna Büchel / Anna Samokhina
Collatinus Slavis Besedin
Junius Gukchul Jung / Gunnar Nieland
Tarquinius Sergey Korotenko / Rupert Grössinger
Lucretia Ksenia Leonidova / Irina Maltseva
Bianca Ruzana Grigorian / Ulrike Rapp
Lucia Eliana Piedrahita / Johanna Kapelari