PIERROT LUNAIRE | LOB DES SCHATTENS

MELODRAMA VON ARNOLD SCHÖNBERG

OPER VON OSCAR JOCKEL (URAUFFÜHRUNG)

PREMIERE | MO 22.01.2018 | 19:00 Uhr

Libretto zu Lob des Schattens von Oscar Jockel

Gedichtzyklus Pierrot lunaire von Albert Giraud

(dt. Übersetzung Otto Erich Hartleben)

Musik von Oscar Jockel und Arnold Schönberg

In japanischer Sprache mit deutschen Übertiteln (Jockel)

 

Programmheft

 


ZUM ABEND

In der rund 100jährigen Interpretationsgeschichte von Arnold Schönbergs Pierrot lunaire sind über konzertante Aufführungen hinaus immer wieder szenische Lösungen gefunden worden, auch wenn der Komponist im Vorwort der Partitur schreibt: „Niemals haben die Ausführenden hier die Aufgabe, aus dem Sinn der Worte die Stimmung und den Charakter der einzelnen Stücke zu gestalten, sondern stets lediglich aus der Musik.“ Zu verlockend sind die Deutungsmöglichkeiten, die sich gerade aus der so unterschiedlichen Verbindung von Sprache und Musik ergeben. Das Besondere an der Neudeutung durch das Department für Oper und Musiktheater des Mozarteums ist die Idee, den Zyklus nicht mit nur einer Interpretin aufzuführen, sondern die 21 Miniaturen auf acht verschiedene Darstellerinnen und Darsteller aufzuteilen. Standen bei dieser Zuordnung zunächst vokaltechnische Aspekte im Vordergrund, so ergaben sich daraus zugleich auch Vorgaben für die szenische Realisierung, die die Regisseurin Karoline Gruber gemeinsam mit den Studierenden entwickelte. Anders jedoch als bei Schönberg, der für sich in Anspruch nahm, viele „meiner Lieder, berauscht von dem Anfangsklang der ersten Textworte, ohne mich auch nur im geringsten um den weiteren Verlauf der poetischen Vorgänge zu kümmern, ja ohne diese im Taumel des Komponierens auch nur im geringsten zu erfassen, zu Ende geschrieben“ zu haben, stand bei dieser Arbeit die genaue Analyse der Texte am Anfang. Und diese ergab vorher nicht vermutete vielfältige Verbindungen zu den Haikus der Oper Lob des Schattens, die Oscar Jockel seinen sechs, japanischen Mythen und Legenden abgelauschten Figuren beigab. Darüber hinaus zeigen sich die beiden Werke des heutigen Abends, die ohne Unterbrechung ineinander übergehend inszeniert sind, in ihrer dreiteiligen Form verwandt wie auch in der Verwendung der gleichen Instrumente.

Die drei mal sieben Gedichte des Pierrot lunaire von Albert Giraud in der deutschen Übertragung von Otto Erich Hartleben folgen ebenso wie die japanischen Haikus einem strengen und stets gleichbleibenden Versschema. Vor allem aber ermöglichen beide Formen eine ungeheure Bandbreite an Assoziationen und sich daraus ergebende Deutungen. Darüber hinaus eröffneten sich sogar inhaltliche Parallelen, etwa zwischen dem Haiku des Tenno (Kaisers) und dem Lied Raub in Schönbergs Zyklus.

Werden Girauds symbolistische Dichtungen in der Literatur oft negativ eingeschätzt, gar als Episoden ohne tieferen Sinn abgetan, enthüllten sie in der gemeinsamen Interpretationsarbeit eine erstaunliche Fokussierung auf die unterschiedlichen Aspekte der titelgebenden Figur. Mitgedacht sind dabei sowohl die unterschiedlichen Charakterisierungen, mit der diese somnambulen Fantasiegestalt mit ihrem traditionell weiß geschminkten Gesicht im Laufe ihrer Geschichte belegt wurde, wie auch die dadurch ausgelösten Emotionen, die sich durch die szenischen Konstellationen herauskristallisierten. Und ein weiterer Aspekt, die der Pierrot als eine Bühnenfigur nahelegt, wurde zunehmend wichtig: die Selbstreflektion als KünstlerInnen. So entstand aus Schönbergs Pierrot in der szenischen Umsetzung ein durchgehender, von Mondlicht erfüllter Bilderbogen über Künstlerfreud und –leid, in der auch die umstrittene Position Schönbergs insofern mitreflektiert wird, als dass er am Ende gewissermaßen erlösend eingreift: Im letzten Lied, O alter Duft aus Märchenzeit, kehrte der Komponist stellenweise zur Tonalität zurück.

(Ronny Dietrich)

 


VORSTELLUNG

DI 23.01.2018 | 19:00 Uhr


BESETZUNG

Musikalische Leitung Kai Röhrig
Szenische Leitung Karoline Gruber
Dramaturgie Ronny Dietrich
Lichtinstallation Conny Zenk
Szenische Assistenz Agnzieska Liz
Musikalische Einstudierung

Julia Antonowitsch

  Chariklia Apostolu
  Stefan Müller
  Wolfgang Niessner
Maske Jutta Martens
New Art and Music Ensemble Salzburg (NAMES)
   
Kodoku = Einsamkeit (jap.)

"Kodoku" Schatten

Maryia Taniguchi

"Kodoku" Statue

Karina Benalcazar

"Kodoku" Kogo

Wendy Krikken

"Kodoku" Geisha

Reba Evans

"Kodoku" Mönch

Chi-an Chen

"Kodoku" Tenno

Felix Mischitz